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Beyond the Box Score – Win Shares

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Beyond the Box Score – Win Shares

Advanced Stats gehören mittlerweile zum NBA Basketball, wie die Shotclock und der Dreier. Die fortgeschrittenen Statistiken sind ein zentraler Bestandteil des Scoutings und Gameplannings der Teams sowie der medialen Berichterstattung geworden. Jedes der 30 NBA Teams hat eine eigene Analytics Abteilung, die sich darum bemüht den Gegnern durch Auswertung und Interpretation der Zahlen einen Schritt voraus zu sein. Alle NBA Journalisten, die etwas auf sich halten, untermauern ihre Argumentationen mit Statistiken, wie dem extrem beliebten Player Efficiency Rating, Win Shares oder Box-Plus-Minus. Ebenso selbstverständlich haben die Adavanced Stats Einzug in den alltäglichen Sprachgebrauch und die Diskussionen der Fans erhalten. Die Zahlen dienen als Argumentationsstütze und oftmals gar als vermeintlicher Beweis einer aufgestellten Aussage.

Der fast schon inflationäre Gebrauch der Statistiken in der Medienlandschaft und unter Fans wird der Aussagekraft der Zahlen häufig nicht gerecht. Selten wird darüber nachgedacht, was eine Zahl bedeutet, wie sie eigentlich hergeleitet wird und wie man sie richtig interpretieren muss.
Diesen Missständen wollen wir mit unserer neuen Serie „Beyond the Boxscore“ vorbeugen und beleuchten zukünftig jeden Dienstag eine Advanced Metric genauer.

Überblick

Win Shares ist eine Metrik, die ursprünglich von Bill James für die Bewertung von Baseballspielern entwickelt wurde. Justin Kubatko hat die Kennzahl angepasst und auf den Basketball übertragen.
Im Kern versuchen Win Shares anzugeben, wie viel Siege eines Teams einem bestimmten Spieler zugeordnet werden können. Dabei ist zu beachten, dass Win Shares aus der Summe aus offensiven und defensiven Win Shares gebildet werden und somit die Leistungen eines Spielers und dessen Beitrag zum Sieg an beiden Seiten des Feldes berücksichtigen. Die Summe der individuellen Win Shares aller Spieler eines Teams ergibt ungefähr, aber nicht genau, die Summe der tatsächlichen Siege des Teams. Neben den absoluten Win Shares werden die Win Shares häufig auch zur besseren Vergleichbarkeit auf 48 Minuten hochgerechnet.

Berechnung

Wie bereits erwähnt sind die Win Shares die Summe aus Offensive Win Shares und Defensive Win Shares.

Offensive Win Shares

Die Offensive Win Shares erhält man indem man die marginal offense (for each player) durch die marginal points per win dividiert.

marginal offense = PP – 0,92 * league PPP * OP

wobei PP=Points produced (Player), league PPP=Points per Possession Ligaschnitt, OP=offensive Possessions (Spieler)

marginal points per win = 0,32 * league PPG * (team pace / league pace)

wobei league PPG=Points per Game (Liga)

Die einzelnen Bestandteile der Formeln müssen jeweils einzeln berechnet werden. Wer sich für die genauen Formeln interessiert kann hier weiterlesen, wer sich richtig in die Wissenschaft der Basketball Statistik vertiefen möchte kann sich das Buch Basketball on Paper von Stats Guru Dean Oliver anschauen.

Defensive Win Shares

Die Basis für die Berechnung der Defensive Win Shares bildet das Defensive Rating von eben genanntem Dean Oliver.
Die Defensive Win Shares erhält man, wenn man den Quotient aus marginal defense (for each player) und marginal points per win bildet.

marginal defense = (PMP / TMP) * TDP * (1,08 * league PPP – (Defensive Rating/100))

wobei PMP=Player Minutes Played, TMP=Team Minutes Played, TDP=Team Defensive Possessions, league PPP=Points per Possession Ligaschnitt

Auch hier kann man sich die Berechnung der einzelnen Bestandteile der Formel unter dem oben genannten Link im Detail anschauen.

Interpretation

Win Shares sind eine sehr einfach zu interpretierende Metrik. Aber auch die Win Shares sollten nicht als allumfassende Metrik für die Bewertung der Qualität eines Spielers herangezogen werden. Dennoch sind Win Shares ein guter Ansatzpunkt, um den Einfluss eines Spielers auf den offensiven und defensiven Erfolg eines Teams zu bewerten.

Schaut man sich die aktuellen Top 5 bei den Total Win Shares an so sind dort fünf Spieler zu finden, die allesamt auch im MVP Rennen sind. Ähnlich sieht es aus, wenn man sich die offensiven und defensiven Win Shares getrennt anschaut. Mit Nikola Jokic und Rudy Gobert werden die Rankings von den Spielern angeführt, die von vielen Experten auch als bester Offensiv- bzw. Defensivspieler der bisherigen Saison gelten.

Beyond the Box Score - Win Shares TotalBeyond the Box Score - Offensive Win Shares TotalBeyond the Box Score - Defensive Win Shares Total

Ähnlich sieht es aus, wenn man auf die besten Rookies der bisherigen Saison blickt. LaMelo Ball führt das Rennen um den ROTY aktuell klar an. In der aktuellen Rookie Class weist LaMelo mit 2,8 Win Shares den höchsten Wert aller jungen Spieler auf.

Man sieht also, dass die Win Shares ein recht gutes Tool zur Bewertung der Qualität eines Spielers sind. Speziell die offensiven Win Shares sind sehr aussagekräftig. Die defensiven Win Shares sind etwas mit Vorsicht zu genießen, da die Basis für deren Berechnung das defensive Team-Rating bildet und die individuelle Leistung eines Spieler dadurch verzerrt werden kann.

Ein weiterer häufiger Kritikpunkt an der Metrik ist die fehlende Normierung und die daraus entstehende Folge, dass Spieler mit mehr Spielzeit tendenziell höhere Win Share Werte erreichen, was zum Beispiel beim PER nicht der Fall ist. Man kann darin aber auch etwas Gutes sehen und argumentieren, dass es einen Grund hat warum ein Spieler mehr Spielzeit bekommt als ein anderer und die höheren Win Shares deshalb gerechtfertigt sind. Eine weitere Möglichkeit ist sich die Win Shares hochgerechnet auf 48 Minuten anzuschauen.

Historische Zahlen

Die beste individuelle Saison gemessen an den Win Shares spielte Kareem Abdul-Jabbar in der Saison 1971/72. Kareem erreichte in dieser Spielzeit einen Wert von 25,37. Zum Vergleich: In den letzten beiden Saisons war James Harden mit 13,1 (2019/20) und 15,1 (2018/2019) Win Shares der Ligaführende.
Kareem führt auch bei den All-Time Win Shares mit 273,41 vor Wilt Chamberlain 247,26 und LeBron James. Der hohe Wert von Kareem wird natürlich auch durch seine sehr lange Karriere begünstigt.

Schaut man sich die All-Time Win Shares per 48 Minuten an thront in diesem Ranking Michael Jordan auf Platz eins. Interessant ist hier, dass Chris Paul in dieser Liste auf Platz vier vor LeBron James auf Platz sechs steht.

Quellen

Die Win Shares findet man auf basketball-reference.com. Dort werden sie auf der Seite eines jeden Spieler ausgewiesen. Außerdem findet man die besten Spieler in dieser Kategorie in verschiedenen Saison unter dem Reiter „Leaders“.

 

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