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NBA-Spieler in Europa: Von Gastspielern, Bleibern und Rückkehrern

NBA-Spieler in Europa: Von Gastspielern, Bleibern und Rückkehrern

Autor: Marcel Eggstein

Die NBA wird internationaler, gar europäischer. Ein Trend, der durch die Awards der letzten Jahre auf die Spitze getrieben wurde. So sind Nikola Jokić, Rudy Gobert sowie Giannis Antetokounmpo oder Luka Dončić die Premium-Exemplare europäischer Basketball-Schule. Und auch schon in der Vergangenheit kamen talentierte Europäer in die Association: Ob Dražen Petrović, Arvydas Sabonis, Toni Kukoč, Dirk Nowitzki, Pau Gasol oder Tony Parker – um nur einige zu nennen.

Fakt ist: In der alten Welt wird auch Basketball gespielt. Und das vielerorts von klein auf. Dass in Europa zudem die zweitbeste Basketballliga der Welt beheimatet ist, geht bei aller medialen NBA-Dominanz bisweilen unter. Dabei haben einige NBA-Akteure eine EuroLeague-Vergangenheit, wie Teil 1 aufzeigte. Spieler, die einst in Europa ausgebildet wurden, sich dort behauptet und mitunter dominiert haben.

Allerdings ist der Weg von Europa in die USA keine Einbahnstraße. So gibt es zahlreiche Profis, die einst NBA-Basketball spielten und anschließend in die EuroLeague wechselten – aus welchen Gründen auch immer. Und genau um diese Spieler soll es hier gehen: Um die Rückkehrer, die Bleiber aber auch Gastspieler. Wobei der Blick nicht allzu weit in die Vergangenheit reichen soll.

Die Gastspieler

Fangen wir bei denjenigen an, die nur kurz in Europa Halt gemacht haben. So, wie beispielsweise Dorell Wright. Der heute 35-jährige Forward und Bruder von Delon Wright wechselte nach elf Jahren in der NBA, einer gewonnenen Meisterschaft mit den Miami Heat (2006) und Stationen in Golden State, Philadelphia und Portland nach Europa zum damaligen EuroLeague-Teilnehmer aus Bamberg. Dort legte der erfahrene Edelschütze (Karrierewert: 41.2% Dreier) 11.6 Punkte pro Spiel auf. Nach nur einer Saison verließ er die Bamberger wieder.

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Greg Monroe verbrachte ein gutes halbes Jahr mehr in Europa– nämlich 2019/20 bei Bayern München und im Anschluss für neun weitere Spiele bei Khimki Moskau Region. Für die Münchener erarbeitete Moose 12.9 Punkte sowie 6.8 Rebounds pro EuroLeague-Spiel. In Moskau waren es im Schnitt 10,3 Punkte und 6 Rebounds. Zuvor war der 7. Pick von 2010 bei sechs NBA-Teams angestellt, wobei der Oldschool-Center als Starter bei den Detroit Pistons statistisch gesehen seine besten Jahre hatte (14.3 Punkt, 9.2 Rebounds).
Beide waren solide NBA-Spieler und konnten in der EuroLeague überzeugen – doch beide sind momentan vereinslos (Stand: 07.09.21).

RS Round 5: FC Bayern Munich vs. Real Madrid - 2019-20 ...
Bild Quelle: eurocupbasketball.com

Ob es Emmanuel Mudiay ebenso ergehen wird, steht in den Sternen. Er ist erst kürzlich in die EuroLeague gewechselt – zu Zalgiris Kaunas nach Litauen. Dort wird der kongolesische Guard an der Seite von Nils Giffey und dem ehemaligen Jazz- sowie Hawks-Forward Tyler Cavanaugh in die neue Saison gehen. Warum Mudiay den Weg nach Europa wagte, ist letztlich offen. Fakt ist jedoch: In der NBA waren nahezu alle Planstellen auf seiner Position belegt. Zudem muss sich der 25-Jährige wohl den Vorwurf gefallen lassen müssen, trotz Starter-Rollen in Denver und New York nicht so richtig in der NBA angekommen zu sein. Der 7. Pick von 2015 wird also nach fünf Jahren in der besten Liga der Welt in der zweitbesten auflaufen.
Ist es die Zwischenstation auf den Weg zurück in die NBA? Vielleicht. Vielleicht findet er aber auch sein Glück in Europa. So, wie diejenigen, die geblieben sind.

Die Bleiber

Da ist zum Beispiel Shane Larkin zu nennen. Er ist der Inbegriff von Neuanfang. Vielleicht sogar von „einen Schritt zurück, um zwei voran zu kommen“. So stehen in seiner Vita einerseits, dass der Sohn eines Baseball-Hall-of-Famers 2013 an 18. Stelle gezogen wurde und vier Jahre NBA-Basketball als Back-Up in vier Teams spielte. Andererseits liest der geneigte Basketballfan vom EuroLeague-Titel mit Anadolu Efes Istanbul, von der Ernennung zum besten Spieler der EuroLeague-Saison 2019/20 sowie zum besten Basketballspieler Europas 2020. Kurzum: Er ist ein Star in Europa. Einer, der mit „INShANE“ eine eigene Dokumentation bekam und der Recep Tayyip Erdoğan eingeladen wurde, für die türkische Nationalmannschaft zu spielen. Ab der Saison 2018/19 spielt Larkin nun in Europa und seitdem mit Rodrigue Beaubois und Tibor Pleiß zusammen – beide ebenfalls mit NBA-Vergangenheit. Wobei der Franzose im Vergleich zum deutschen Center tatsächlich relevanter Teil einer Rotation war. Über vier Jahre hinweg gab Beaubois den Back-Up in Dallas und durfte 2011 gar die Larry O’Brien Trophy gen Hallendecke heben.

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Diese Erfahrung machte Anthony Randolph nicht. Ähnlich wie Larkin fand er aber sein Glück in Europa – inklusive zusätzlicher Staatsbürgerschaft. Denn der in Würzburg geborene Amerikaner gehört seit 2017 zum Kader Sloweniens und gewann an der Seite von Luka Dončić und Goran Dragić die Basketball-Europameisterschaft im selben Jahr.
In der NBA konnte der an 14. Stelle von den Warriors gedraftete Forward nicht wirklich Fuss fassen. 2008 in die Liga gekommen agierte er die ersten beiden Spielzeiten noch vielversprechend. Der Trade nach New York schien der Anfang vom Ende zu sein. Oft weitergereicht konnte sich der Linkshänder nie richtig entwickeln und beendete das Kapitel NBA 2014 mit einem Wechsel zu Lokomotive Kuban. Im Jahr 2016 ging er schließlich zu Real Madrid und gehört seitdem zur festen Größe in der ACB sowie EuroLeague.

Ekpe Udoh ist ebenfalls ein gutes Beispiel für den Neuanfang in Europa. Der 6. Pick der Warriors 2010 spielte sieben Jahre in der NBA für vier Teams, war Back-Up und konnte nie die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen. Nach seinen ersten drei Stationen wechselte er 2015 zu Fenerbahçe Ülker. Der Schritt sollte sich lohnen, denn mit den Türken gewann er 2017 die EuroLeague und wurde zum Final-Four-MVP ausgezeichnet. Dies ermöglichte ihm offenbar eine zweite Chance in der NBA, sodass er sich 2017 den Utah Jazz anschließen konnte. Nun setzt der Sohn nigerianischer Einwanderer nach einer Station in China seine Karriere beim ambitionierten italienischen Team in Bologna fort.

Ekpe Udoh's departure from Fenerbahce has ironic ...
Bild: Patrick Albertini/EB via Getty Images

Ein anderer ehemaliger NBA-Rollenspieler, der in Europa sein Glück gefunden zu haben scheint, ist Austin Daye. Der Flügelspieler wurde 2009 an 15. Stelle von den Pistons gepickt und avancierte nach solidem Start schnell zum Journey-Man: Ganze fünf Teams in sechs Jahren stehen in seiner Vita. Aber auch eine Meisterschaft (2014), zu der er ein Rebound in sechs Minuten (Total) beisteuerte. Im Jahr 2015 wagte er den Schritt nach Europa, wo er 2016/17 mit Galatasaray Istanbul EuroLeague-Basketball spielte. Seit 2018 läuft er für Reyer Venezia Mestre in der italienischen Liga sowie im EuroCup auf.

Die Aufzählung ließe sich problemlos fortsetzen. Ob Tyler Dorsey, Malcom Delaney, Guerschon Yabusele oder Kevin Séraphin. Wobei letztgenannte schon zur dritten Gruppe – den Rückkehrern – gezählt werden können.

Die Rückkehrer

Hier führt kein Weg an den Granden des europäischen Basketballs vorbei. Doch nicht immer gehörten diese auch in der NBA zum Spitzenpersonal. Genau genommen ließe sich da nur einer nennen: Pau Gasol.
Der Spanier führte bereits in jungen Jahren seinen Heimatverein FC Barcelona als MVP zum Double. Im Jahr 2001 wagte er dann den Schritt in die USA. An 3. Stelle gezogen folgten unzähligen Auszeichnungen, sechs Allstar-Nominierungen und zwei Meisterschaften. Eine Platzkarte in der Hall of Fame dürfte ihm sicher sein. Neben der beeindruckenden NBA-Karriere kommt die auf FIBA-Ebene hinzu. Denn der heute 41-Jährige war auch auf internationaler Bühne eine Größe: Unter anderem zieren drei gewonnene Europameisterschaften, eine Weltmeisterschaft und zwei olympische Silbermedaillen seine Erfolgsvita.
Zur Saison 2020/21 kehrte er tatsächlich für ein Jahr zum FC Barcelona zurück und legte in sieben EuroLeague Spielen durchschnittlich 4.6 Punkte und 2.4 Rebounds auf.

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Ebenfalls im Kader des FC Barcelona standen und stehen noch immer Nikola Mirotić und Nick Calathes. Beide feierten schon vor ihren NBA-Engagements große Erfolge in Europa. Calathes gewann mit Panathinaikos Athen mehrere Meisterschaften und sowie die EuroLeague (2011) und mit Lokomotive Kuban den EuroCup (2013). Seine NBA-Karriere war dagegen kurz und unspektakulär: Zwei Jahre in Memphis als Back-Up, punkt. 2015 kehrte er nach Athen zurück und avancierte dreimal in Folge zum MVP der A1 Ethniki. Seit 2020 spielt er nun in Barcelona und traf dort auf Mirotić, dessen Vita ähnlich beeindruckend ist.
Vor seiner Zeit in den USA machte der Spanier bei Real Madrid auf sich aufmerksam. Dort wurde er MVP der ACB (2013) und erreichte mehrfach das Finale der EuroLeague, wobei er zweimal in Folge die Rising Star Trophy für Spieler unter 22 Jahre erhielt. Die Rockets zogen ihn bereits 2011 an 23. Stelle, jedoch erst 2014 fühlte er sich bereit für die NBA. Insgesamt blickt er auf fünf Jahre, vier Playoff-Teilnahmen, durchschnittlich 12.3 Punkte und einen gebrochenen Kiefer (Bobby Portis weiß mehr) zurück. 2019 dann die Rückkehr nach Spanien, diesmal zum FC Barcelona, die er als MVP der ACB zum zweiten Platz führte.

Die Rising Star Trophy der EuroLeague gewann auch Rudy Fernández. Der Spanier und Teilnehmer am NBA-Slamdunk-Contest (2009) kam 2008 in die NBA und brachte für die Trailblazers in drei Jahren viel Schwung von der Bank. Nach einem weiteren Jahr in Denver zog es den Europa- (2x) und Weltmeister zurück nach Spanien, wo er ab 2012 führ Real Madrid aufläuft und 2015 die EuroLeague gewinnen konnte.
An seiner Seite: Sergio Rodríguez. Und nicht nur dort, u.a. als MVP der EuroLeague (2014). Auch in Portland spielten die beiden Spanier zusammen. Der Point-Guard kam 2006 in die NBA und konnte sich in vier Jahren nicht so recht durchsetzen, sodass er 2010 zurück nach Spanien ging. Bis 2016 lief er für Madrid auf und wagte anschließend erneut das Abenteuer NBA – diesmal bei den tankenden Sixers. Statistisch sah das gut aus, dennoch beendete er das Kapitel nach nur einer Saison und wechselte nach Moskau und schließlich zu AX Armani Exchange Milan, wo er seit 2019 spielt.

Ein weiterer Star in Europa blickt auf eine ebenfalls bescheidene NBA-Karriere zurück: Nando de Colo. Der Franzose gewann vor seinen zwei Jahren in den USA bereits den EuroCup mit Valencia. In San Antonio und Toronto kam der Guard nicht über 11.9 Spielminuten hinaus. Zurück in Europa räumte er mit ZSKA Moskau alles ab – gewann zweimal die EuroLeague und wurde MVP der Hauptrunde (2016) sowie vom Final-Four (2016). Seit 2019 läuft der Europameister von 2013 für Fenerbahce Beko Istanbul auf und gewann im gleichen Jahr den türkischen Pokal.

Auch diese Aufzählung könnte problemlos ausufern. Natürlich muss noch Miloš Teodosić genannt werden. Der EuroLeague-MVP von 2010 und EuroLeauge-Sieger von 2016 sowie mehrfache Meister in Russland oder Italien kam in der NBA trotz seines herausragenden Talents nicht zurecht und kehrte nach zwei Jahren bei den Clippers zurück nach Europa.

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Oder Andrea Bargnani, der 2006 sogar Nummer-Eins-Pick war. Immerhin zehn Jahre konnte sich der Italiener durch die NBA scoren (14.3 Punkte), bis er 2016 zu Saski Baskonia wechselte und dort noch etwas EuroLeague schnupperte. Mittlerweile hat er seine Karriere beendet.

Es ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft zahlreiche Spieler geben wird, die in beiden Ligen, auf beiden Kontinenten ihre Spuren hinterlassen werden. Und das ist auch gut so.

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