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Nowitzkis Erben (5/6) – Moritz Wagner

Nowitzkis Erben - Moritz Wagner

Nowitzkis Erben (5/6) – Moritz Wagner

Die The Vibes Originals Serie “Nowitzkis Erben” widmet sich ganz den deutschen Spielern in der besten Basketballliga der Welt. Es steht außer Frage, wer der beste deutsche Basketballspieler aller Zeiten ist. Dirk Nowitzki hat sich spätestens mit seinem Titel 2011 im Trikot der Mavs nicht nur in Dallas unsterblich gemacht. Er hat die deutsche Nationalmannschaft über Jahrzehnte zu Medaillen geführt und war der erste Europäer, der in der NBA zum wertvollsten Spieler gewählt worden ist. Über den langen Blonden aus Würzburg wurden unzählige Artikel, Geschichten und Bücher geschrieben. In dieser Rubrik wollen wir uns daher nicht mit ihm sondern seinen Nachfolgern beschäftigen. Aktuell wandeln sechs Deutsche auf den Spuren Nowitzkis in der besten Basketballliga der Welt: Dennis Schröder (Los Angeles Lakers), Maxi Kleber (Dallas Mavericks), Daniel Theis (Chicago Bulls), Moritz Wagner, Isaac Bonga (Washington Wizards) und Isaiah Hartenstein (Cleveland Cavaliers). Diesen Spielern, Nowitzki Erben, wollen wir unsere Aufmerksamkeit widmen. In dieser Folge geht es um Moritz Wagner.

Quo vadis Mo?

Wenn wir an zu Hause denken, denken wir an einen Ort, an dem man sich heimisch fühlt. Gewohnte Gesichter, gewohnte Gerichte – und, wenn man Glück hat, ein solider Stapel an frischer Wäsche. Es ist ein Ort, der einem Kraft verleiht. Ein Ort, der einem den weiteren Weg ebnet, so steinig dieser auch sein mag.

Für Profibasketballer sind Orte meistens nur Durchgangsstationen. Schon als Jugendspieler wechselt man häufig den Verein und muss sich seine Sporen neu verdienen. Moritz Wagners Weg verhielt sich anders, sein Weg in die NBA verlief fast schon linear.

Der 2,11-Mann aus Berlin wurde schon früh von den Scouts von Alba entdeckt und dominierte auf Jugendniveau sowohl in den nationalen Wettbewerben (10,3 PPG/2,9 RPG in seinem letzten JBBL-Jahr, danach in der NBBL mit 17,2 PPG und 5,8 RPG im mittleren NBBL-Jahr inklusive Deutscher Meisterschaft im Jahr 2014) als auch mit dem Bundesadler auf der Brust für diverse Auswahlteams des DBB. Diese Leistungen wurden in Deutschlands bestem Nachwuchsprogramm belohnt. Wagner schaffte als damals 17-Jähriger den Sprung in die Profimannschaft der Albatrosse und erhielt in vier Einsätzen schon einige Minuten in Deutschlands Beletage. Unter Trainer Sasa Obradovic waren junge deutsche Minuten aber bei weitem keine Garantie und so entschied sich der Berliner 2015 für den Sprung über den großen Teich nach Amerika.

Moritz Mania

Trotz Aussichten auf eine größere Rolle bei Alba entschied sich Wagner für die University of Michigan, und somit für eine der traditionsreichsten Basketballstandorte der NCAA. Es dauerte nicht lang und der große blonde Energizer hatte sich in die Herzen der Wolverines-Fans gespielt – Moritz Mania hatte begonnen. Die 12.707 Fans im Chrisler Center in Ann Arbor, Michigan bejubelten genommene Charges, gerettete 50/50-Bälle und eine gehörige Portion Swag im Spiel des Deutschen.

 

Wagner College stats
https://www.sports-reference.com/cbb/players/moritz-wagner-1.html

 

Über drei Jahre in Michigan gab es in der Entwicklung Wagners nur eine Richtung – steil nach oben. Schon während seines Sophomore-Jahrs galt er als heißer Kanditat auf die NBA-Lottery. Wagner entschied sich aber gegen ein vorzeitiges Verlassen seiner gewohnten Umgebung. Auch, weil ein Abrutschen in die zweite Runde und damit die fehlende Sicherheit auf einen garantierten Vertrag im Raum standen. Die Entscheidung sollte sich auszahlen. Nach 38%er Dreierquote während seiner College-Zeit und teilweise überragenden Auftritten in den Endturnieren der NCAA spiegelte „Big Mo“ den Prototyp des modernen Big Man. Kann werfen, kann passen, kann dribbeln, kann das Pick’n’Roll switchen.

Hoop Dreams

„With the 25th pick, the Los Angeles Lakers select Moritz Wagner from the University of Michigan” – so ließ Adam Silver damals Wagners und gleichzeitig den Kindheitstraum eines jeden Ballers wahr werden. Wagner fand ein zu Hause in LA – vorerst. Denn mit der Geradlinigkeit sollte es nun erstmal vorbei sein. Nach einer Rookie-Saison mit klassischen Ups and Downs – auf Double Digits und Crunchtime-Minuten folgten in 43 Spielen auch immer mal wieder DNPs – wurde Big Mo mit seinem Nationalmannschaftskollegen Isaac Bonga nach Washington getradet. Auch hier wurden es in der ersten Saison nur 45 Spiele – das lag allerdings vor allem an Wagners schwerer Knöchelverletzung. Vorher hatte sich der lange Deutsche mit seiner begeisternden Art nämlich in die Herzen der Wizards-Fans gespielt und sich eine deutlich größere Rolle mit 18 Minuten und 8,7 Punkten pro Spiel erkämpft. Dass die Wizards im Dezember nur einen Monat nach seinem Breakout-Game (Career Highs mit 30-Punkte/15 Rebounds) ihre Option auf Wagners viertes Vertragsjahr verstreichen ließen, passte nicht wirklich ins Bild.

 

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Und doch standen die Zeichen somit auf Umzug. Wagners zweite Saison in der Hauptstadt zeichnete sich durch eine unstete Rolle aus. Es schien fast so, als hätten sich die Wizards doch noch nicht ganz entschieden einen großen Mann mit weichem Handgelenk abzugeben. Im Wechsel mit Thomas Bryant, Alex Len und Robin Lopez kam Wagner in dieser Saison noch auf 25 Spiele und im Schnitt 15 Minuten bevor sich kurz vor der Trade Deadline Danny Ainge und die Boston Celtics die Dienste des Ex-Wolverines sicherten.

Die Celtics, die in dieser Saison bisher bei weitem nicht an ihre hohen Erwartungen herankommen, tradeten am selben Tag Daniel Theis zu den Bulls und hatten somit die Rolle des großen deutschen Energizers, der als Big Man auch Dreier wirft, wieder besetzt. Klang erstmal ganz gut. Nur gut zwei Wochen später sah die Welt aber schon wieder ganz anders aus und der Drittjahresprofi stand quasi auf der Straße. Die Celtics waivten Wagner um Platz für Jabari Parker zu schaffen.

Eine Liga der Chancen und richtigen Situation

30 Teams in der Liga mal 15 Roster Spots ergibt 450 feste NBA-Spieler. Das Niveau einen dieser Plätze zu belegen haben weltweit einige tausend Spieler. Und so kommt es gerade für junge Spieler oft auf die richtige Situation, den richtigen Coach und damit auf eine echte Chance an.

Schaut man sich Moritz Wagners in insgesamt neun Spiele für die Kleeblätter an, so scheinen die Statistiken auf den ersten Blick erstmal nicht viel Positives auszusagen. 29% aus dem Feld, 33% von draußen und 50% von der Freiwurflinie in knapp 7 Minuten sprechen nicht dafür, dass der große Blonde bei den Kelten eine echte Chance hatte. Brad Stevens ist generell nicht dafür bekannt junge neue Celtics direkt mit der Kußhand in die Starting Five zu beordern. Selbst Jaylen Brown musste sich in seiner Rookie-Saison als zweiter Pick des Drafts jede Sekunde auf dem Feld verdienen. Dazu kommt, dass der Timelord und thevibes-Liebling Robert Williams seit Theis Abgang wie ausgewechselt auftritt und die NBA aktuell bei den Centern im PER anführt. Mit Grant Williams, der sich in den Bubble-Playoffs schon bewies und seine Rolle ausgebaut hat, und Tristan Thompson standen weitere Konkurrenten im Weg.

Eine neue Chance?

Nach Wagners Entlassung muss er erst den Waiver-Prozess durchlaufen. Erklärt sich ein Team bereit seinen Rookie-Vertrag zu übernehmen, so könnte die nächste Chance schon bald kommen. Da der mittlerweile 23-Jährige aber nach der Trade Deadline entlassen wurde, darf er nicht in den Playoffs eingesetzt werden und dank des neuen Formats mit Play-In Turnier gab es wahrscheinlich zum aktuellen Zeitpunkt noch nie so viele Teams, die noch um diese mitspielen. Es gibt jedoch auch schon einige Teams, die nichts mehr mit der Postseason und zu tun haben und in der NBA ist die nächste Verletzung meist nicht weit entfernt.

Sollte sich eine Tür öffnen, muss Wagner den NBA-Dreier konstanter treffen. Auf 38% am College folgten bisher nur weit unterdurchschnittliche 30% bei den großen Jungs. Auch eine gewisse defensive Anfälligkeit im Pick-and-Roll sowie in der defensiven Rotation konnte man bei Wagner in den ersten Jahren in der Liga ausmachen. Ruft man sich aber seine Auftritte im Trikot der Wolverines in Erinnerung, vermochte er es durchaus Verteidigungen lautstark zu organisieren und seine Mitspieler um ihn herum besser zu machen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der ein oder andere GM noch an den Moritz Wagner aus dem Dezember 2019 erinnert und, dass zu Hause in Boston nicht das Letzte in den USA war. Grundsätzlich bleibt Wagner zu wünschen, dass er nochmal eine Chance auf ein zumindest mittelfristiges zu Hause in der Liga erhält. Denn wir wissen alle – zu Hause ist es am schönsten.

 

Zu den weiteren Teilen unserer Serie über Nowitzkis Erben geht es hier:

Teil 1 – Daniel Theis

Teil 2 – Maxi Kleber

Teil 3 – Isaiah Hartenstein

Teil 4 – Isaac Bonga

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