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Salary Cap: Illusion Chancengleichheit

Salary Cap: Illusion Chancengleichheit. Auf dem Bild zu sehen sind Adam Silver, Stephen Curry und Kevin Durant.

Salary Cap: Illusion Chancengleichheit

Für das Thema Salary Cap haben wir uns in Sven Scherer von basketball.de CBA-Expertise besorgt. Er blickt auf das System, die Geschichte der Gehaltsobergrenze und vieles mehr.

Vor 37 Jahren führte die National Basketball Association eine Gehaltsobergrenze ein.
2021/22 beläuft sich dieser Salary Cap auf 112,4 Millionen Dollar. Das Gehaltsvolumen der
Golden State Warriors beträgt derzeit dennoch knapp 178 Millionen und sie werden ohne
weitere Veränderungen zusätzlich beinahe den gleichen Betrag an Luxussteuer bezahlen. In
meinem Gastbeitrag für theVIBESmag erläutere ich, aus welchem Grund es niemals eine
fixe Gehaltsobergrenze für alle gab, warum der Trade von 76ers Assistant Coach Aaron
McKie für Veränderungen im NBA Collective Bargaining Agreement (CBA) sorgte und
weshalb einige NBA Teams hard capped sind, während Golden State und Brooklyn noch
mehr Gehalt aufnehmen könnten.

Einführung Salary Cap

Bereits Ende der 40er Jahre gab es eine Gehaltsobergrenze. Dieses Experiment stellte die
Liga jedoch nach einem Jahr wieder ein. 1984 verbinden die meisten Fans mit dem Draft von
Michael Jordan. Es ist aber auch gleichzeitig das Jahr, in dem David Stern, Commissionar
der NBA, den Salary Cap erneut eingeführt hat. Um eine potenziell jahrelange
Vorherrschaft von finanzstarken attraktiven Märkten zu verhindern – die wir aus anderen
Profiligen kennen – sollte jedem Team nur 3,6 Millionen Dollar für seinen Kader zur
Verfügung stehen. Dies blieb jedoch von Beginn an Theorie. Der ursprünglich geplante hard
cap wurde bereits ein Jahr vor dessen Einführung in einen soft cap umgewandelt. Grund
hierfür war die 1983 vereinbarte Vertragsverlängerung einer Celtics Legende.

Quelle: Sports Illustrated

Veteran Free Agent Exception

Von der neu beschlossenen Gehaltsobergrenze waren eigentlich nur die Los Angeles
Lakers, New Jersey Nets, New York Knicks, Philadelphia 76ers und Seattle Supersonics
sofort betroffen. Alle fünf Teams befanden sich bereits vor der Saison 1984/85 über dem
Salary Cap. Dennoch hat sich für die Veteran Free Agent Exception der Begriff Birdrechte
etabliert. Mit der Vertragsverlängerung von Larry Bird 1983 hätte Boston ihren damaligen
Kader nicht langfristig zusammenhalten können. Da die Rivalität zwischen Earvin Johnsons
Lakers und Larry Birds Celtics den Basketball in der 80ern aus der Versenkung holte, sollte
die neue Regeländerung dem aufblühendem Sport nicht schaden. Solche Teams
auseinanderzureißen war nicht im Sinne der Liga. Daher entschärfte die NBA die
Gehaltsobergrenze und gestattete es den Teams eigene Spieler zu halten.
Neuverpflichtungen sollten jedoch erschwert werden. Gemeinsam mit später eingeführten
Ausnahmeregelungen wie z.B. der Mid-Level Exception (MLE) können Teams wie Golden
State weit über den Salary Cap gehen. Ein hard cap führte die NBA erst vor 10 Jahren ein.

Lockout 2011

Der soft Cap stellte die Liga vor weitere Probleme. Pfiffige General Manager mit
zahlungswilligen Besitzern fanden Lücken im Regelwerk und nutzten diese aus.
Dementsprechend folgten ständige Änderungen von Seiten der Liga um die Small market- Teams zu schützen. Im Laufe der Jahre wurden deshalb Instrumente wie Capholds oder die
restricted Free Agency eingeführt. 2011 kam es dann zu einem Lockout, unter anderem
auch, da die kleinen Märkte sich stark benachteiligt sahen.
Für Entrüstung sorgten vor allem zwei Trades im Frühjahr 2008. Damals gelang es den Los
Angeles Lakers Pau Gasol von den Memphis Grizzlies loszueisen. Spurs Coach Greg Popovich forderte danach sogar ein Komitee, dass zu einseitige Trades per Veto verhindern
sollte. Der (vermeintlich) geringe Gegenwert war jedoch nicht der einzige Aspekt, der für
Aufsehen sorgte. Um das notwendige Gehalt für einen Pau Gasol zusammen zu bekommen
– ohne dafür wichtige Spieler abzugeben – schickte Lakers General Manager Mitch Kupckak, einen damaligen Assistant Coach der Philadelphia 76ers, nach Memphis. Da Aaron McKie
seine Spielerkarriere in Los Angeles beendete und die Lakers noch dessen Birdrechte
besaßen, konnte er per Sign& Trade in das Tauschgeschäft integriert werden. Mit 750 000
Dollar wurde McKie dafür fürstlich entlohnt.

Kleine Anekdote: die Los Angeles Lakers behielten auch die Birdrechte von Karl Malone
noch bis 2014, obwohl er vier Jahre zuvor bereits in die Hall of Fame aufgenommen wurde.
Gleiches gilt für Malik Sally; dessen Rechte behielten die Lakers nach seinem Rücktritt im
Jahr 2000 ebenfalls bis 2014 – Rekordlänge.

18 Tage später kopierten die Dallas Mavericks die Strategie der Lakers und nutzen ebenfalls
die Birdrechte von „Rentner“ Keith Van Horn um Jason Kidd nach Texas zu holen. Beide
Franchises sollten von 2009 bis 2011 auch die letzten drei Titel vor dem Lockout holen. Das
neu beschlossene CBA beinhaltete danach einige neuen Hürden. Unter anderem wurde die
Luxussteuer erhöht, unterjährige Sign& Trades wurden verboten und lang zurückgetretene
Spieler durften nicht mehr in solch einem Konstrukt verwendet werden.

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Erstmals seit Einführung des Salary Caps 1984 wurde auch eine harte Gehaltsgrenze vereinbart. Diese
galt jedoch nicht für alle Teams.

Hard Cap

Einen wirklichen Hard Cap konnten die Small market-Teams nicht durchsetzen. Es blieb bei
der Regelung, dass eigene Spieler mit Birdrechten gehalten werden konnten. Die Möglichkeit
sich darüber hinaus zu verstärken wurden jedoch limitiert. Daher ist nicht das
Gesamtvolumen der Gehälter ausschlaggebend, ob ein Team hard capped ist. Diesem
Gehaltsdeckel für die laufende Saison unterliegen nur Franchises, die von folgenden
Möglichkeiten gebrauch machen:
– Nutzung/Teilnutzung der 9,536 Millionen $ MLE über der Taxpayer-MLE von 5,89
Millionen $ (Beispiel P.J.Tucker)
– Aufnahme eines Free Agents via Sign& Trade (Beispiel Lonzo Ball)
– Nutzung der Bi-Annual-Exception (Beispiel Sterling Brown)
In dieser Offseason haben Chicago, Cleveland, Dallas, Houston, Miami, New Orleans, New
York, Oklahoma City, San Antonio, Toronto und Washington eine der drei Optionen genutzt.
Diese elf Teams dürfen bis zum 1.7.2022 dem sogenannten Apron von 143 002 000 Dollar
nicht einen Tag überschreiten. Die anderen 19 Franchises können weiterhin im üblichen soft
cap agieren. Dies ist für viele Besitzer jedoch nur auf dem Papier der Fall. Die
Schmerzgrenze liegt teilweise noch unter dem Apron.

Angst vor der Luxussteuer

Trotz der Bemühungen, die Chancengleichheit in der Liga zu stärken, sind einige Methoden
noch verbesserungswürdig. Paradebeispiel hierfür ist die Änderung der Luxussteuer. Zuvor
zahlte jedes Team über der Luxussteuergrenze für jeden Dollar Gehalt einen zusätzlichen
Dollar an Steuern. Dies wurde 2011 deutlich verschärft. Je weiter eine Franchise über der
Luxussteuergrenze liegt, destso höher wird der Betrag, den die Teams pro Dollar Gehalt
zusätzlich aufbringen müssen. Diese Strafe beträgt:
– 1,5 $ von einem bis 5 Millionen $ über der Luxussteuergrenze
– 1,75 $ von 5-10 Millionen $ über der Luxussteuergrenze
– 2,5 $ von 10-15 Millionen $ über der Luxussteuergrenze
– 3,25 $ von 15-20 Millionen $ über der Luxussteuergrenze

– 3,75 $ von 20-25 Millionen $ über der Luxussteuergrenze
– zusätzlich + 50 Cent bei Überschreitung jeder weiteren 5-Millionengrenze

Wiederholungstäter müssen sogar in jeder Stufe nochmal einen Dollar zusätzlich berappen.
Die sogenannte Repeater-Tax greift, wenn eine Franchise sich in drei der letzten vier Jahre
über der Luxussteuergrenze befand. Diese astronomischen Summen führten auch zu dem
gewünschten Effekt – zumindest teilweise. Selbst viele Besitzer der finanzstarken Märkte
bleiben nicht jahrelang über dieser Grenze. Besonders schmerzhaft ist dies jedoch vor allem
für diejenigen, die davon profitieren sollten – den Small market-Teams. Während sich die
Warriors, Nets und Clippers davon kaum bremsen lassen, führte die Reform der Luxussteuer
2012 beispielsweise dazu, dass der Kern der Oklahoma City Thunder mit dem Trade von
James Harden gesprengt wurde. Kleine Märkte können es sich kaum leisten die Repeater-
Tax in vergleichbarem Umfang zu zahlen. Daher hat die Liga auch nach 37 Jahren Salary
Cap noch einige Arbeit vor sich. Eine potenzielle Lösung – eine feste Gehaltsobergrenze für
alle – wird es jedoch nicht geben.

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Fazit

Für Anhänger und Besitzer kleiner Teams gilt der hard cap als beste Lösung um die
Chancengleichheit zu gewährleisten. Das CBA wird jedoch von der Liga (stellvertretend für
die 30 Franchises) und der Spielergewerkschaft gemeinsam beschlossen. Vor allem die
Spieler haben daran keinerlei Interesse. Denn Birdrechte und Exceptions helfen den Free
Agents selbst in Jahren ohne viel Capspace gut dotierte Verträge zu erhalten. Auch die Liga
profitiert finanziell von den „Superteams“ wie den Jordan-Bulls, den Big-3 der Heat, den
Golden State Warriors und den derzeitigen Brooklyn Nets. Gerade Gelegenheitsfans
interessieren sich für solche Teams. Daher ist eine feste Gehaltsobergrenze in der NBA
unwahrscheinlich. Im Gegensatz zum europäischen Fußball ist es der Liga mit dem Salary
Cap aber gelungen, die Vorteile der finanzstarken und attraktiven Märkte a la Los Angeles
und New York deutlich zu verringern. Chancengleichheit bleibt jedoch eine Illusion.

NBA Opening Night 2021/22

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