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Season Preview Isaac Bonga & Isaiah Hartenstein – Teil 3/3

Season Preview Isaac Bonga & Isaiah Hartenstein

Season Preview Isaac Bonga & Isaiah Hartenstein – Teil 3/3

Die 75. NBA Saison steht in den Startlöchern und wir können es alle kaum erwarten, das orangene Leder wieder durch die Reusen der NBA Hallen fliegen zu sehen. Passend zum Start der Saison hat sich Philip Wohlfarth in seiner monatlich erscheinenden Kolumne „German Watch“ die Aussichten der Deutschen für die Saison 2021/22 angeschaut. Nachdem im ersten Teil Schröder & Kleber betrachtet wurden und im zweiten Teil Daniel Theis & die Wagner Brüder dran waren, geht es heute in Teil 3 um Isaac Bonga, der kurz vor Saisonstart einen Vertrag bei den Toronto Raptors unterzeichnet hat und Isaiah Hartenstein, der die Clippers von sich überzeugen konnte.

Isaac Bonga: Kanada als gutes Pflaster

Von Frankfurt, über L.A., Washington, Split, Tokio nach Toronto

Wir blicken zurück auf das Jahr 2016. Der damalige kanadische Headcoach der Frankfurt Skyliners, Gordon Herbert, nimmt den 16-jährigen Isaac Bonga in die Frankfurter Talentschmiede auf. Nur 2 Jahre später wurde Bonga genauso wie Moritz Wagner von den Los Angeles Lakers gedraftet. 2019 wurden sie zusammen nach Washington D.C. getradet und erlebten dort 2 turbulente Saisons. Fast 3 Jahre lang bestritten Bonga und Wagner ihre Reisen gemeinsam durch die NBA. Die Wege trennten sich erst im Frühjahr, als Moritz nach Boston geschickt wurde.

„Izzy“, der in seinem ersten Jahr in Washington überwiegend Starter war, versauerte bis Saisonende größtenteils auf der Bank (siehe Season Recap). So war es keine große Überraschung, dass die Wizards den auslaufenden Vertrag nicht verlängerten und Bonga somit Unrestricted Free Agent wurde. Da er sich in der letzten Saison nur wenig zeigen konnte, musste man um seine NBA-Zukunft bangen.

Abseits des NBA-Trubels durfte Bonga dann aber erstmal ein kleines Sommermärchen bei der Nationalmannschaft erleben. Das DBB-Team konnte sich überraschend beim Qualifikationsturnier in Split durchsetzen und durfte zur Belohnung bei der Olympiade in Tokio dabei sein. Auch wenn nicht alles rund lief, zeigte Isaac insgesamt ordentliche Auftritte. Vor allem trat er wieder mit mehr Selbstbewusstsein auf. Nach Isaacs eigener Aussage hatte Assistant Coach Roy Rana (ebenfalls Kanadier) großen Anteil daran.

Wahrscheinlich halfen die Auftritte bei der Nationalmannschaft, vielleicht gab es aber auch ein paar Gespräche unter kanadischen Landsmännern, denn am 12. Tag der Free Agency gab es dann plötzlich zu vermeldende Tatsachen. Isaac Bonga hatte bei den Toronto Raptors einen Einjahresvertrag zum Minimum (ca. 1,7 Millionen Dollar) unterschrieben. Es war jedoch nur ein teilgarantierter Vertrag (200.000$ garantiert), bei dem er sich im Training Camp zuerst noch durchsetzen musste.

Große Konkurrenz im Training Camp

Bonga, der als Point Guard in die Liga gekommen war, wird in Toronto wie in Washington auch als Forward angesehen. Auf dem Flügel gab es aber noch einige weitere Spieler in Torontos Training Camp, die um ihren Platz im Kader kämpften. Freddie Gillespie, Ishmail Wainright, Yuta Watanabe und der in der Türkei wieder erstarkte Sam Dekker befanden sich in ziemlich ähnlicher Situation. Alle sind sie Flügelspieler mit ungarantierten Verträgen, die auf ihre spezielle Art schon auf sich aufmerksam machen konnten.

Doch nicht alle würden als Raptor in die Saison gehen können. Später bezeichnete Bonga die Wochen im Trainingscamp als sehr anstrengend, doch er strahlte bei all seinen Aussagen. Auch wenn er im Schnitt nur 8,7 Minuten spielte, durfte er in allen 5 Preseason Games ran. Die Statistiken waren dabei nicht nennenswert, aber der „Eye-Test“ zeigte durchaus gute Ansätze.

Die Defense war größtenteils wie gewohnt überdurchschnittlich, aber vor allem im Ballhandling und Playmaking zeigte er alte Stärken, die in Washington kaum noch zum Vorschein kamen. Gegen Boston verlegte er in der letzten Spielsekunde leider den Tip-In zum Ausgleich, aber Coach Nick Nurse ließ fast keine Gelegenheit aus, um den 21-jährigen zu loben. Bonga ließe „sich sehr gut coachen, macht wenige Fehler, arbeitet hart und macht die vielen kleinen Dinge“. Dies waren wohl keine leeren Worte, da zwei Tage vor Beginn der Regular Season Bonga zum finalen Kader ernannt wurde.

Freddie Gillespie und Ex-BBL-Spieler (Rasta Vechta) Ishmail Wainright schafften den Cut nicht.

Vielleicht optimale Situation in Toronto

Natürlich war das nur der erste Schritt sich in Toronto durchzusetzen. Die Konkurrenz auf dem Flügel ist weiterhin groß. Neben Defensiv-Spezialist OG Anunoby und Rookie-Talent Scottie Barnes kämpfen einige Rollenspieler (Mykhailuk, Dekker, Watanabe) um Minuten. Bongas Vorteil könnte seine Flexibilität in der Defense sein. Von den Positionen 1-4 kann er eigentlich jeden verteidigen.

Noch wichtiger für ihn mag aber das großartige Umfeld bei den Raptors sein. Die Franchise genießt einen sehr guten Ruf. GM Masai Ujiri ist einer der besten Funktionäre der Liga und Coach Nick Nurse führte die Raptors 2019 überraschend zum Champion. Einige „Champs“ wie Fred Van Fleet oder Pascal Siakam sind immer noch im Team und können den Youngstern sicherlich einiges beibringen. Zudem haben die Raptors in der Vergangenheit einige Spieler gut weiterentwickeln können und groß rausgebracht (Anunoby, Boucher, Van Fleet).

Dazu kommt, dass die Raptors diese Saison im Prinzip befreit aufspielen können. Keiner hat den Ex-Champ auf dem Zettel, dabei könnte gerade der wieder erlangte Heimvorteil pushen (Letzte Saison mussten die Raptors aufgrund von Corona-Einschränkungen in Tampa Bay spielen). Außerdem sprechen alle Spieler von einer ganz besonderen Teamchemie im Kader. Diese Rahmenbedingungen sind gute Vorrausetzungen für eine gute Spieler-Entwicklung.

Man kann also sagen: Nach dem schwierigen Jahr in Washington, haben sich diesen Sommer die Dinge für Bonga zum Guten gewendet. Ex-Trainer Gordon Herbert hat dabei wohl auch eine Rolle gespielt. Herbert wurde nämlich im September zum deutschen Nationalmannschaftstrainer ernannt und rief kurze Zeit später Bonga persönlich an. Dieser Anruf hat Isaac sicherlich auch nochmal einen kleinen Schub gegeben.

Herbert war übrigens von 2008-2009 Assistant Coach bei den Toronto Raptors, aber noch interessanter: Er war auch der Assistant Coach von Nick Nurse für die kanadische Nationalmannschaft bei der WM 2019 und beim diesjährigen Olympia-Qualifikationsturnier. Da hat es in den letzten Wochen sicherlich auch den ein oder anderen Austausch über Isaac Bonga gegeben.

Angesprochen auf die beiden kanadischen Coaches Herbert und Rana kommt Bonga ins Schwärmen. Sie haben beide einen entscheidenden Einfluss auf seine Karriere genommen. Toronto, Kanada mag also ein gutes Pflaster für Bonga sein. Hier kann er hoffentlich den nächsten, entscheidenden Schritt für seine Karriere machen, denn ähnlich wie bei Moritz Wagner könnte dieses Jahr vielleicht seine letzte Chance in der NBA sein.

Isaiah Hartenstein: Der Riese mit dem guten Händchen

Gute Zeit in Cleveland und dennoch keine Perspektive?

Der G-League-MVP von 2019 war zur Trade Deadline von Denver nach Cleveland verschifft worden. In größerer Rolle konnte er sehr gute Zahlen auflegen (siehe Season Recap), sodass die Cavaliers und auch Hartenstein zufrieden mit dem Trade sein konnten. Als er kurz vor dem Draft seine Option auf ein weiteres Jahr verstreichen ließ, wusste man nicht, aus welchen Gründen dies geschah. Vielleicht zielte er auf einen langfristigen Vertrag, vielleicht wollte er aber seine Zukunft auch einfach selbst in der Hand haben. Mit seinen gezeigten Leistungen in Cleveland durfte er in der Free Agency auch auf den ein oder anderen Interessenten hoffen.

Später im Sommer bestätigte sich diese Hoffnung. Laut Medienberichten hatten die Oklahoma City Thunder, die L.A. Clippers, die Portland Trail Blazers und sogar die Brooklyn Nets Interesse an einer Verpflichtung.

Auch Cleveland schien lange interessiert zu bleiben, Isaiah weiter zu verpflichten. Die hatten allerdings ihren 3. Pick im Draft genutzt, um Big-Man-Talent Evan Mobley an Land zu ziehen. Auch der 23-jährige Center Jarrett Allen hatte gerade erst eine Vertragsverlängerung über 5 Jahre und 100 Millionen Dollar unterschrieben und Kevin Love war ja auch noch da. Larry Nance Jr. wurde zwar noch getradet, doch im Austausch kam Lauri Markannen – viele Minuten würden für Hartenstein wohl nicht übrig bleiben in Cleveland.

Vor wenigen Tagen bestätigte Hartenstein, dass es Gespräche mit den Cavaliers gab, doch Hartenstein sah bei der talentierten Konkurrenz keine Perspektive auf genügend Spielzeit. So galt Hartenstein zwar lange als einer der interessantesten verbleibenden Free Agents, doch lange tat sich nichts beim Deutsch-Amerikaner. Erst Mitte September gab es dann die News vom „Training camp invite“ der L.A. Clippers.

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Überzeugende Auftritte in der Preseason

Den Clippers mangelte es nämlich ein wenig an Big Men. Serge Ibaka wurde im Sommer erst am Rücken operiert, trainiert mittlerweile zwar wieder voll mit, aber er selbst sieht sich zur Opening Night am kommenden Donnerstag noch nicht bereit. Ivica Zubac ist zwar fit, sollte aber nach den Meniskusproblemen in den Playoffs auch nicht unbedingt komplett verheizt werden. Auch wenn Nicolas Batum und Marcus Morris gerade in den Playoffs einen sehr starken Job als Small-Ball-Center machten, wäre die Rotation ohne einen weitere Big Men zu dünn aufgestellt. Daher suchten die Clippers noch einen Ersatzmann, der vielleicht gerade zu Beginn der Saison auf wertvolle Rotationsminuten hoffen darf.

Die Clippers luden aber nicht nur Hartenstein, sondern auch Harry Giles III ein, der sich ebenfalls an einem Scheideweg seiner Karriere befindet. Beide sind schon ein paar Jahre in der Liga, hatten teils tolle Auftritte, konnten sich aber bislang nicht in der Liga etablieren. Sie beide kämpften ganz offensichtlich um den finalen Kaderplatz. Giles zeigte solide Auftritte bei den Preseason-Games, überzeugte vor allem beim Rebounding. 7,5 Rebounds in 13,7 Minuten sind überragend. Auch 6,3 Punkte pro Spiel sind ein guter Wert, allerdings nicht bei einer Quote von 40,9%, vor allem nicht für einen Big Man.

Hartenstein hingegen machte da weiter, wo er in Cleveland aufgehört hatte. Bei fast gleicher Spielzeit wie Giles hatte er 7,5 Punkte, 5 Rebounds, 3,5 Assists und 1,8 Steals pro Spiel. Auf 36 Minuten hoch gerechnet ist das sogar beinahe ein Triple-Double im Schnitt (20,3 PPG, 13,5 RPG, 9,5 APG), und das auch noch bei sehr starken 72,2% aus dem Feld. Die Zahlen sind aber nur die halbe Wahrheit.

Die Fans hatten vor allem mit den Highlight-Plays ihre Freude. Da war ein starker Block gegen Dallas‘ Josh Green dabei, aber vor allem die Alley-Oop-Dunks sind nicht nur von den deutschen Fans gefeiert worden.

Viel wichtiger für den finalen Kaderplatz war aber wohl das gute Zusammenspiel mit etablierten Spielern wie Terrance Mann, Luke Kennard oder Eric Bledsoe. Dort sah man nämlich einige schöne Assists, die belegen, dass Hartenstein sich gut im Team eingefunden hat.

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Hartenstein setzt sich durch

Dabei war Hartenstein nicht immer nur der veredelnde Scorer. Wie auch in Cleveland überzeugte er auch insbesondere mit seinem Passing-Game. Bei seiner Ankunft in Cleveland sprach er damals davon, dass er sich einiges bei Nikola Jokic in Denver abgeschaut hätte. Dies hatte er dann in Cleveland umgesetzt und jetzt offenbar mit an die Westküste genommen.

Das sah auch sein neuer Trainer Tyronn Lue so, der nach der Entscheidung pro Hartenstein zu Protokoll gab, dass Hartenstein mit seinem Passspiel von Beginn an ins Team passte und seinen Mitspielern so offene Würfe oder Korbleger kreiere. Zwar hatte Hartenstein gerade im ersten Spiel einige Turnover dabei, aber er hielt an seiner Linie fest und traute sich die riskanten, aber auch gewinnbringenden Pässe weiterhin zu spielen.

Hartenstein hatte nach eigener Aussage ein gutes Gefühl unter Trainer Lue. Er spüre das Vertrauen und hat keine Angst Fehler zu machen. Das erklärt, warum man diese Stärken nicht bereits in Houston oder Denver gesehen hat.

Sein Vater und Jugendcoach Florian Hartenstein hatte Isaiah schon früh in der Jugend zum Passen verdonnert. In so manchem Viertel hatte er das Verbot selbst zu scoren – eine Anweisung, die ihm jetzt vielleicht den Job bei den L.A. Clippers gesichert hat.

Hartenstein wird insbesondere zu Beginn der Saison seine Chancen bekommen. Wenn er dann ebenfalls so wie in der Preseason abliefert, kann er sich eventuell fest bei den Clippers etablieren, oder auch für andere Teams empfehlen. Bleibt zu hoffen, dass er mit der Entscheidung nicht bei den Cavaliers zu verlängern, genauso ein gutes Händchen hatte, wie bei seinen Assists auf Kennard und Co..

Teil 1 & 2 unserer Preview findet ihr hier:

Season Preview Schröder & Kleber – Teil 1/3

Season Preview Theis & Wagners – Teil 2/3

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